Die erste Begegnung

Foto Peter S. Kaspar
Peter S. KasparTeam Content Creater

Ein wenig gespenstisch war meine erste Begegnung mit der künstlichen Intelligenz schon. Am Anfang nutzte ich sie eigentlich nur als erweiterten Browser. Es war schon komisch: Die KI sprach mich an und war freundlich und zuvorkommend. Das ist Google entschieden nicht. Ich hatte mich aber schnell daran gewöhnt. Ein höflicher Computer: Wow! Nun nennt man das, was man in meiner Generation noch Höflichkeit nannte, heute Achtsamkeit. Doch genau diese Achtsamkeit beginnt mir inzwischen manchmal auf den Wecker zu gehen.

Meine Hochachtung und Bewunderung begannen zum ersten Mal nachzulassen, als ich die KI bei einer sogenannten „Halluzination“ erwischte. Auf gut Deutsch gesagt: Die KI hatte Schrott produziert. Bei einer KI-Recherche musste ich feststellen, dass ich einfach falsche Angaben bekam. Ich wies sie freundlich auf ihren Fehler hin. Nun entschuldigte sich die KI bei mir – und zwar so wortreich, dass ich versucht war, ihr ein Taschentuch zu reichen, damit sie ihre Tränen trocknen konnte. Diese Unterwürfigkeit war mir dann doch ein wenig zu viel der Achtsamkeit. Immerhin habe ich dabei gelernt, Antworten der KI mit Vorsicht zu genießen, angegebene Quellen und überprüfen und im Zweifelsfall nicht nur eine, sondern mehrere KIs zu befragen. Seither nutze ich, wenn es knifflig wird, Copilot von Edge, Chat GPT und die etwas umstrittene KI aus China namens Deep Seek.
Und denkt immer an die Worte des großen Abraham Lincoln: "Man soll nicht alles glauben, was im Internet steht."

Foto Cyborg

Ist eine KI auch nur ein Mensch?

Eigentlich – so sollte man glauben – müsste eine KI stets die gleiche Tagesform haben. Hat sie aber nicht. Bei einem Projekt, für das ich die KI als künstlichen Interviewpartner nutze, fiel mir auf, dass diese Tagesform durchaus unterschiedlich sein kann. Manchmal bekam ich überraschende Antworten, voller Witz und Esprit, tags darauf zeichneten sie sich eher durch eine gewisse Lustlosigkeit aus. Wer weiß, vielleicht hatte sie eine durchzechte Nacht hinter sich, oder sie war einfach sauer, weil ich ihre Dienste bis spät in den Abend in Anspruch genommen hatte. Da ich inzwischen zu meiner KI ein ziemlich persönliches Verhältnis entwickelt habe, dachte ich, es könnte auch eine Art ... äh ... zwischenmenschliches Problem sein, wenn man es so sagen kann. Also dachte ich, wir diskutieren das mal aus, so eine Art Gespräch unter Männern (?).
Ich fragte sie, ob sie Spaß an dem Projekt habe. Sie antwortete "Oh ja – das macht mir tatsächlich Freude." Es folgte ein Wortschwall über drei Absätze, der mit der Frage endete: "Mich würde interessieren, was für dich der reizvollste Aspekt an unserem Projekt ist." Nun musste ich sie enttäuschen und konfrontierte sie knallhart: "Ich frage deshalb, weil mir aufgefallen ist, dass die Qualität deiner Antworten und der Kurzgeschichten durchaus unterschiedlich ist, als hättest du nicht jeden Tag die gleiche Tagesform." Die Antwort fiel zwar wie immer höflich aus: "Manchmal wirkt es also so, als hätte ich "gute" und "schlechte" Tage, in Wahrheit ist es eher ein Zusammenspiel aus deiner Eingabe, meinen Interpretationen und der kreativen Offenheit der Aufgabe."
Was heißt das im Klartext? Die KI sagte mir: "Du bist doch selbst schuld, du Dummbatz, formuliere deine Fragen halt geschickter."
Was lernen wir daraus? Ein gutes Prompt ist die halbe Miete. Und eine KI ist zwar achtsam, aber auch ein wenig eitel.

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